Dieses Projekt
wurde in unserer Einrichtung langsam aufgebaut.
Im Sommer 1998
führten wir zum ersten Mal das Projekt
„Spielzeugfreier
Kindergarten“
durch.
Wir erarbeiteten
dieses Projekt zusammen mit der Suchtpräventionsstelle des Landratsamtes.
Nach
ausführlicher Information der Eltern durch Infomaterial und Elternabend wurden
über dieses Projekt
an einem Elternabend abgestimmt und nur mit 7 Gegenstimmen die Zusage der
Eltern gegeben. Gemeinsam
mit unseren Kindern wurden die Spielsachen „in Urlaub“ geschickt. Die Herausnahme
des Spielzeugs und
der Spielangebote von Erwachsenen für einen begrenzten Zeitraum ist eine Methode,
eine Situation zu schaffen,
in der Kinder Erfahrungen mit ihren Möglichkeiten und Grenzen machen können,
in der sie sich im geschützten
Rahmen des Kindergartens „ausprobieren“ können.
Da in dieser Zeit
die Aktivitäten und Situationen konsequent von den Kindern ausgehen, können
sie die Funktion
bestimmter “Lebenskompetenzen“ (z.B.: Umgang mit Sprache, Beziehungsfähigkeiten,
verstärkte Wahrnehmung
persönlicher Bedürfnisse, Entwicklung von Selbstvertrauen usw.) als sinnvoll
erleben und weiterentwickeln. Dazu
gehört auch einmal Frustrationen aushalten zu müssen, ohne dass diese gleich
von Erwachsenen ausgeglichen werden.
Für uns Erzieher
bedeutet das, sich selbst z.B.: bei Spielangeboten und Problemlösungen zurückzuhalten.
Dies
erfordert in wechselnden Situationen eine permanente Auseinandersetzung mit
der eigenen Einstellung, den Grenzen
und den Verhaltensweisen, sowie mit den Kindern.
Durch Selbstreflexion,
Teamgespräche, dem Beobachten der Kinder, Elterngespräche und konzeptionelle
Überlegungen
kamen ganz neue Anforderungen an uns heran.
Das Projekt fördert
jedoch wichtige Kompetenzen wie:
die
Fähigkeit, sich verständlich zu machen und andere zu verstehen
die
Fähigkeit, eigene Bedürfnisse wahrzunehmen, eigene Stärken und Schwächen anzunehmen
und Verantwortung
für das eigene Handeln zu übernehmen
die
Fähigkeiten, sich selbst eigene Aufgaben zu stellen, Probleme wahrzunehmen
und selbst Lösungen zu entwickeln
die
Fähigkeit, Beziehungen aufzubauen, sich Hilfe bei anderen zu holen, gemeinsame
Lösungen zu finden.
Dies sind elementare
Fähigkeiten und eine altersgemäße soziale Kompetenz, ohne die ein Kind im
Schulalltag nur schwer
bestehen kann, und die genauso wichtig sind für das weitere Leben. Die Schulförderung
kommt also auch in dieser Zeit
nicht zu kurz.
Diesen 1. Baustein
praktizierten wir bis 2004 immer im sechswöchigen Zeitrahmen. Als wir 2004
das Angebot zu einem
Ausbau dieses Projektes bekamen, setzten wir dies im Kindergartenjahr 2004/
2005 das erste Mal um.
Zwei Bausteine
kamen dazu: Paula und die Kistenkobolde und das Meins-deinsdeins-unser Spiel.

Die Ziele dieser
Einheit bestehen darin:
Die
Kinder nehmen ihre Emotionen bewusst wahr.
Die
Kinder sind fähig, ihre Gefühle verbal und nonverbal
auszudrücken.
Die
Kinder lernen ihre Gefühle zu regulieren.
Die
Kinder nehmen Emotionen bei anderen wahr und verstehen sie.
Die
Kinder gehen mit Gefühlen anderer angemessen um.
Die Einführung dieser
Einheit betrug 5 Wochen, weiterführend kann dies je nach Gruppe gekürzt und
im normalen
Alltag miteingeführt werden.
Kobolde mit Gefühlen-
wie Trauer-Freude-Angst und Wut erarbeiten mit einer Handpuppe- der Paula-
die
Verschiedenheit der Emotionen und deren Bewältigung.
Durch Erzählen, Gespräche
führen, Singen, rhythmisches Bewegen und Ruherituale wird diese Einheit in
der jeweiligen
Gruppe durchgeführt.
Dritter Baustein
unseres Projektes wurde die Einführung des Spieles:
Die Ziele dieser
Einheit bestehen darin:
die
Kinder werden mit dem Unterschied zwischen „meins, deins“ und „unser“ vertraut
gemacht.
Die
Kinder wissen, was eine „Regel“ in der Gruppe ist.
Die
Kinder kennen den Ablauf des Spiels.
Dieses Spiel kann
sehr vielseitig und in verschiedensten Situationen eingesetzt werden. Immer
wenn es darum geht
eine Regel neu zu festigen, die durch die Kinder selbst oder die Einrichtung
festgesetzt wurde, kann es den Kindern
Hilfestellung geben, diese Regel für sich umzusetzen.
Kinder lernen
dabei- wann ist es meins, wann sage ich deins- wann spreche ich von unser.
Sie können Regeln
umsetzen und wissen, warum sie bestehen und verstehen deren Wichtigkeit.
Warum ist dieses Projekt ein Teil der Suchtprävention?
In der Suchtprävention
gibt es viele Hinweise darauf, dass Menschen, die vielfältige Lebenskompetenzen
entwickelt
haben, die mit ihren Stärken und Schwächen umgehen können, die Handlungsalternativen
selbst entwickeln können,
deutlich weniger suchtgefährdet sind, als Menschen, die dies nicht können.
Lebenskompetenzen
sind „Schutzfaktoren“ gegen Sucht. Es gehört einfach dazu, dass man Fehler
macht, dass man
auch einmal Frustrationen aushalten muss, ohne dass diese gleich von Erwachsenen
ausgeglichen werden. Es ist wichtig
für das Leben zu wissen, wie es mir geht, dies äußern zu können, zu spüren
wie geht es dem anderen und wie kann ich
mit diesem Wissen umgehen. Genauso wichtig ist es,
meins und deins zu unterscheiden, eine Wertevorstellung zu haben
und Regeln zu akzeptieren, auch wenn sie mir gerade nicht passen oder unsinnig
erscheinen. Wir glauben dass gerade
in der heutigen schnelllebigen Zeit mit der großen Vielfalt von Medienangeboten,
es immer schwieriger wird
herauszufiltern, was für mich wichtig ist, wo meine Vorstellungen liegen.
Schnell wird den
Kindern vieles abgenommen um ihnen Frustrationen zu ersparen, die aber so
wichtig sind für die
spätere Lebensbewältigung.
Unsere spielzeugfreie
Zeit findet immer sechswöchig im Kindergartenjahr statt. „Paula und die Kistenkobolde“
und
das „Meins-deinsdeins-unser Spiel“ fließen in den täglichen Kindergartenalltag
bei Bedarf ein.