13.1.  Papilio - Projekt

Dieses Projekt wurde in unserer Einrichtung langsam aufgebaut.

Im Sommer 1998 führten wir zum ersten Mal das Projekt

„Spielzeugfreier Kindergarten durch.

 

Wir erarbeiteten dieses Projekt zusammen mit der Suchtpräventionsstelle des Landratsamtes. Nach
ausführlicher Information der Eltern durch Infomaterial und Elternabend wurden über dieses Projekt
an einem Elternabend abgestimmt und nur mit 7 Gegenstimmen die Zusage der Eltern gegeben. Gemeinsam
mit unseren Kindern wurden die Spielsachen „in Urlaub“ geschickt. Die Herausnahme des Spielzeugs und
der Spielangebote von Erwachsenen für einen begrenzten Zeitraum ist eine Methode, eine Situation zu schaffen,
in der Kinder Erfahrungen mit ihren Möglichkeiten und Grenzen machen können, in der sie sich im geschützten
Rahmen des Kindergartens „ausprobieren“ können.

Da in dieser Zeit die Aktivitäten und Situationen konsequent von den Kindern ausgehen, können sie die Funktion
bestimmter “Lebenskompetenzen“ (z.B.: Umgang mit Sprache, Beziehungsfähigkeiten, verstärkte Wahrnehmung
persönlicher Bedürfnisse, Entwicklung von Selbstvertrauen usw.) als sinnvoll erleben und weiterentwickeln. Dazu
gehört auch einmal Frustrationen aushalten zu müssen, ohne dass diese gleich von Erwachsenen ausgeglichen werden.

Für uns Erzieher bedeutet das, sich selbst z.B.: bei Spielangeboten und Problemlösungen zurückzuhalten. Dies
erfordert in wechselnden Situationen eine permanente Auseinandersetzung mit der eigenen Einstellung, den Grenzen
und den Verhaltensweisen, sowie mit den Kindern.

Durch Selbstreflexion, Teamgespräche, dem Beobachten der Kinder, Elterngespräche und konzeptionelle Überlegungen
kamen ganz neue Anforderungen an uns heran.

Das Projekt fördert jedoch wichtige Kompetenzen wie:

die Fähigkeit, sich verständlich zu machen und andere zu verstehen

die Fähigkeit, eigene Bedürfnisse wahrzunehmen, eigene Stärken und Schwächen anzunehmen und Verantwortung
für das eigene Handeln zu übernehmen

die Fähigkeiten, sich selbst eigene Aufgaben zu stellen, Probleme wahrzunehmen und selbst Lösungen zu entwickeln

die Fähigkeit, Beziehungen aufzubauen, sich Hilfe bei anderen zu holen, gemeinsame Lösungen zu finden.

Dies sind elementare Fähigkeiten und eine altersgemäße soziale Kompetenz, ohne die ein Kind im Schulalltag nur schwer
bestehen kann, und die genauso wichtig sind für das weitere Leben. Die Schulförderung kommt also auch in dieser Zeit
nicht zu kurz.

Diesen 1. Baustein praktizierten wir bis 2004 immer im sechswöchigen Zeitrahmen. Als wir 2004 das Angebot zu einem
Ausbau dieses Projektes bekamen, setzten wir dies im Kindergartenjahr 2004/ 2005 das erste Mal um.

Zwei Bausteine kamen dazu: Paula und die Kistenkobolde und das Meins-deinsdeins-unser Spiel.

 

 

Paula und die Kistenkobolde

Die Ziele dieser Einheit bestehen darin:

Die Kinder nehmen ihre Emotionen bewusst wahr.

Die Kinder sind fähig, ihre Gefühle verbal und nonverbal auszudrücken.

Die Kinder lernen ihre Gefühle zu regulieren.

Die Kinder nehmen Emotionen bei anderen wahr und verstehen sie.

Die Kinder gehen mit Gefühlen anderer angemessen um.

Die Einführung dieser Einheit betrug 5 Wochen, weiterführend kann dies je nach Gruppe gekürzt und im normalen
Alltag miteingeführt werden.

Kobolde mit Gefühlen- wie Trauer-Freude-Angst und Wut erarbeiten mit einer Handpuppe- der Paula- die
Verschiedenheit der Emotionen und deren Bewältigung.

Durch Erzählen, Gespräche führen, Singen, rhythmisches Bewegen und Ruherituale wird diese Einheit in der jeweiligen
Gruppe durchgeführt.

 

Dritter Baustein unseres Projektes wurde die Einführung des Spieles:

 Meins-deinsdeins-unser-Spiel

Die Ziele dieser Einheit bestehen darin:

die Kinder werden mit dem Unterschied zwischen „meins, deins“ und „unser“ vertraut gemacht.

Die Kinder wissen, was eine „Regel“ in der Gruppe ist.

Die Kinder kennen den Ablauf des Spiels.

Dieses Spiel kann sehr vielseitig und in verschiedensten Situationen eingesetzt werden. Immer wenn es darum geht
eine Regel neu zu festigen, die durch die Kinder selbst oder die Einrichtung festgesetzt wurde, kann es den Kindern
Hilfestellung geben, diese Regel für sich umzusetzen.

Kinder lernen dabei- wann ist es meins, wann sage ich deins- wann spreche ich von unser.

Sie können Regeln umsetzen und wissen, warum sie bestehen und verstehen deren Wichtigkeit.

 

Warum ist dieses Projekt ein Teil der Suchtprävention?

In der Suchtprävention gibt es viele Hinweise darauf, dass Menschen, die vielfältige Lebenskompetenzen entwickelt
haben, die mit ihren Stärken und Schwächen umgehen können, die Handlungsalternativen selbst entwickeln können,
deutlich weniger suchtgefährdet sind, als Menschen, die dies nicht können.

Lebenskompetenzen sind „Schutzfaktoren“ gegen Sucht. Es gehört einfach dazu, dass man Fehler macht, dass man
auch einmal Frustrationen aushalten muss, ohne dass diese gleich von Erwachsenen ausgeglichen werden. Es ist wichtig
für das Leben zu wissen, wie es mir geht, dies äußern zu können, zu spüren wie geht es dem anderen und wie kann ich
mit diesem Wissen umgehen. Genauso wichtig ist es, meins und deins zu unterscheiden, eine Wertevorstellung zu haben
und Regeln zu akzeptieren, auch wenn sie mir gerade nicht passen oder unsinnig erscheinen. Wir glauben dass gerade
in der heutigen schnelllebigen Zeit mit der großen Vielfalt von Medienangeboten, es immer schwieriger wird
herauszufiltern, was für mich wichtig ist, wo meine Vorstellungen liegen.

Schnell wird den Kindern vieles abgenommen um ihnen Frustrationen zu ersparen, die aber so wichtig sind für die
spätere Lebensbewältigung.

Unsere spielzeugfreie Zeit findet immer sechswöchig im Kindergartenjahr statt. „Paula und die Kistenkobolde“ und
das „Meins-deinsdeins-unser Spiel“ fließen in den täglichen Kindergartenalltag bei Bedarf ein.

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